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GrundlagenAktualisiert: 16. September 2026 3 Min. Lesezeit

RSI (Relative Strength Index): was der Indikator misst, wie Sie die Zonen lesen – und warum 70 kein Verkaufssignal ist

Der RSI misst Tempo, nicht Richtung. Wie er berechnet wird, warum ein Wert über 70 im Trend kein Verkaufssignal ist, wo Divergenzen helfen und wo der Indikator nur Rauschen zeigt.

Philipp Zurawski
Philipp ZurawskiGründer & Chefredakteur

Krypto-Investor seit 05. April 2017

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

Relative Strength Index (RSI)
Illustration: KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze · Stand 16.09.2026

  • Der RSI (Relative Strength Index, J. Welles Wilder 1978) misst das Tempo einer Kursbewegung auf einer Skala von 0 bis 100 – Standard: 14 Perioden.
  • Die Zonen: über 70 „überkauft“, unter 30 „überverkauft“. Das sind Beschreibungen, keine Signale – im starken Trend bleibt der RSI lange in der Zone.
  • Wofür er taugt: Tempo einschätzen, Divergenzen erkennen, in Seitwärtsphasen Wendepunkte eingrenzen. Wofür nicht: allein handeln.
  • Einordnung: einer von neun Indikatoren im Indikator-Guide; zwei bis drei reichen.

Was der RSI misst

Der RSI vergleicht die durchschnittlichen Kursgewinne mit den durchschnittlichen Kursverlusten der letzten 14 Perioden (Kerzen). Die Formel: RS = durchschnittlicher Gewinn ÷ durchschnittlicher Verlust; RSI = 100 − 100 ÷ (1 + RS). Sind Gewinne und Verluste gleich groß, steht der RSI bei 50. Überwiegen die Gewinne stark, steigt er Richtung 100; überwiegen die Verluste, fällt er Richtung 0. Wilder nutzte eine geglättete Durchschnittsbildung, deshalb reagiert der RSI etwas träger als ein einfacher Durchschnitt. Die Periode 14 ist Konvention – auf dem Tageschart sind das zwei Wochen, auf dem Wochenchart ein Quartal.

Kurs70 – überkauft30 – überverkauft50RSI (14) pendelt zwischen 0 und 100
Schema: Der RSI liegt in einem eigenen Panel unter dem Kurs. Über 70 gilt der Markt als überkauft, unter 30 als überverkauft – im starken Trend kann er dort aber lange bleiben.

Die Zonen richtig lesen

  • Über 70 – überkauft: Die Bewegung nach oben war schnell. Im Seitwärtsmarkt folgt darauf oft eine Pause oder ein Rücksetzer; im starken Aufwärtstrend bleibt der RSI wochenlang über 70, und jeder Verkauf dort war ein Fehler. Bitcoin stand in den Hochphasen 2017, 2021 und 2024 auf Wochenbasis über Monate im überkauften Bereich.
  • Unter 30 – überverkauft: spiegelbildlich. In Kapitulationsphasen (Dezember 2018, Juni und November 2022) fiel der Wochen-RSI von Bitcoin unter 30 – im Rückblick gute Kaufzonen, in dem Moment aber ohne Garantie, dass es nicht weiter fällt.
  • Die 50er-Linie: Im Aufwärtstrend pendelt der RSI meist zwischen 40 und 80, im Abwärtstrend zwischen 20 und 60. Ein RSI, der die 50 nach einem Rücksetzer hält, bestätigt den Trend.

Drei Anwendungen, die sich bewährt haben

  1. Tempo einordnen: Steht der Wochen-RSI über 80, ist die Bewegung historisch ungewöhnlich schnell – kein Verkaufssignal, aber ein Grund, Teilgewinne zu planen statt nachzukaufen.
  2. Divergenzen: Neues Kurshoch bei tieferem RSI-Hoch heißt, dass weniger Kraft hinter der Bewegung steckt. Das ist die wertvollste Information, die der RSI liefert – RSI-Divergenz.
  3. Bestätigung mit Struktur: RSI unter 30 an einer erkennbaren Unterstützung ist mehr wert als RSI unter 30 im freien Fall.

Die typischen Fehler

  • Bei 70 verkaufen und bei 30 kaufen, als wäre der RSI ein Schalter. In Trends verliert diese Regel Geld.
  • Auf Minutencharts arbeiten: Dort ist der RSI Rauschen.
  • Den RSI mit MACD und Stochastik kombinieren und drei Bestätigungen zählen – alle drei messen dasselbe (Momentum).
  • Vergessen, dass der RSI aus dem Kurs berechnet wird: Er weiß nichts, was der Kurs nicht schon zeigt.

Häufige Fragen

Was ist der RSI?

Der Relative Strength Index misst, wie stark Kursgewinne gegenüber Kursverlusten in den letzten 14 Perioden überwogen haben, auf einer Skala von 0 bis 100. Über 70 gilt als überkauft, unter 30 als überverkauft.

Welche Einstellung ist sinnvoll?

Der Standard von 14 Perioden auf dem Tages- oder Wochenchart. Kürzere Einstellungen liefern mehr Signale, davon mehr falsche.

Soll ich bei RSI über 70 verkaufen?

Nein, nicht automatisch. Im starken Aufwärtstrend bleibt der RSI wochenlang über 70 – wer dort verkauft, verpasst den Trend. Überkauft heißt nur: Die Bewegung war schnell.

Was ist eine RSI-Divergenz?

Wenn der Kurs ein neues Hoch bildet, der RSI aber ein tieferes – die Bewegung verliert an Kraft. Ausführlich im Beitrag RSI-Divergenz.

Funktioniert der RSI bei Kryptowährungen?

Wie in jedem Markt: als Maß für Tempo, nicht als Kauf- oder Verkaufsknopf. Wegen der hohen Volatilität sind Extremwerte bei Kryptowährungen häufiger und weniger aussagekräftig als bei Aktien.

Quellen und Prüfdatum

  • J. Welles Wilder: New Concepts in Technical Trading Systems (1978) – Definition und Standardperiode 14
  • Bitcoin-Wochen-RSI in den Hoch- und Tiefphasen 2017–2024: TradingView-Chart, eigene Beobachtung

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Philipp Zurawski, Gründer von krypto-trading.com

Philipp Zurawski

Gründer & Chefredakteur krypto-trading.com

Im Markt aktiv seit 05. April 2017

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Nachdem ich am 05. April 2017 meine ersten Ether gekauft habe, begleite ich den Krypto-Sektor täglich durch Bullen- und Bärenmärkte. Auf krypto-trading.com teste ich Börsen, Broker und Wallets persönlich mit eigenem Kapital: Gebühren, Einzahlungswege, Auszahlungen und Regulierung – keine gesponserten Gefälligkeitsurteile.

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