Krypto-Kredit: Coins beleihen statt verkaufen – wie es funktioniert, wo das Risiko liegt und wer es 2026 anbietet
Krypto-Investor seit 05. April 2017
Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026
Das Wichtigste in Kürze · Stand 16.09.2026
- Prinzip: Coins als Sicherheit hinterlegen, Euro oder Stablecoins leihen – ohne Bonitätsprüfung, in Minuten. Die Coins bleiben Ihre, solange der Kurs nicht unter die Liquidationsschwelle fällt.
- Das Risiko: Fällt Bitcoin um 40 Prozent, wird Ihre Sicherheit zwangsverkauft, wenn Sie nicht nachschießen – zum schlechtesten Zeitpunkt. Dazu das Anbieterrisiko: 2022 gingen Celsius, BlockFi und Voyager mit Kundensicherheiten in die Insolvenz.
- Regulierung: MiCA erfasst das Beleihen von Kryptowerten nicht. Der bekannteste Anbieter für Kunden aus Deutschland, Nexo, steht nicht im ESMA-Register – Empfehlung ausgesetzt, keine Partnerlinks.
- Meine Einordnung: Ein Werkzeug für Hodler mit Erfahrung und Puffer, kein Konsumkredit. Wer Liquidität braucht, fährt mit einem Teilverkauf nach der Haltefrist meist besser.
Wie ein Krypto-Kredit funktioniert
Ein Krypto-Kredit ist ein Lombardkredit: Sie übertragen Bitcoin, Ethereum oder andere Coins an den Anbieter, der sie als Sicherheit hält, und bekommen dafür Euro, US-Dollar oder Stablecoins ausgezahlt. Die Beleihungsquote (Loan-to-Value, LTV) liegt je nach Coin und Anbieter zwischen 30 und 70 Prozent des Sicherheitenwerts. Es gibt keine Bonitätsprüfung und keine Schufa-Abfrage – die Sicherheit ist die Bonität. Der Kredit hat meist keine feste Laufzeit; Sie zahlen zurück, wann Sie wollen, und bekommen die Coins zurück.
Der Haken steckt im Kurs der Sicherheit. Steigt die Beleihungsquote durch fallende Kurse über eine Schwelle – oft 70 bis 80 Prozent – fordert der Anbieter Nachschuss (Margin Call); wird der nicht geleistet, verkauft er einen Teil der Sicherheiten (Liquidation). Bei einer Sicherheit aus Bitcoin und 50 Prozent LTV reicht ein Kursrückgang von rund 35 Prozent bis zur Liquidation – Bewegungen dieser Größe gab es in jedem Krypto-Zyklus. Und eine Liquidation ist steuerlich ein Verkauf.
Wofür Anleger Krypto-Kredite nutzen – und wofür nicht
- Sinnvoll: kurzfristige Liquidität, ohne langfristige Bestände zu verkaufen und die einjährige Haltefrist (§ 23 EStG) zu unterbrechen – bei niedriger Beleihungsquote (unter 30 Prozent) und mit Puffer für einen Crash.
- Riskant: mit dem Kredit weitere Coins kaufen. Das ist ein Hebel – fällt der Kurs, verlieren Sie Sicherheit und Kredit-Coins gleichzeitig.
- Falsch: Konsum oder Rechnungen. Ein Kredit, dessen Sicherheit über Nacht 20 Prozent verlieren kann, ist kein Ersatz für ein Girokonto.
Anbieter für Kunden aus Deutschland (Stand 16.09.2026)
| Anbieter | Kreditprodukt | Zulassung | Unsere Einordnung |
|---|---|---|---|
| Nexo | Kreditlinie gegen Krypto, auch als Kreditmodus der Nexo Card; laut Nexo „Zero-interest“-Stufen mit NEXO-Token | kein Eintrag im ESMA-Register, MiCA-Antrag läuft | Empfehlung ausgesetzt, kein Partnerlink |
| Binance | Loans | keine EU-Zulassung, Antrag zurückgezogen | nicht nutzbar für EWR-Kunden – Status |
| Bitpanda, Crypto.com | kein Kredit gegen Krypto für Privatkunden im EWR nach unserer Prüfung | MiCA-zugelassen | auf der alten Seite fälschlich als Kreditanbieter geführt – korrigiert |
Kurz gesagt: Unter den Anbietern mit EU-Zulassung kennen wir zum Prüfdatum keinen, der Privatkunden in Deutschland einen Kredit gegen Krypto-Sicherheiten anbietet. Wer diesen Weg trotzdem gehen will, tut das außerhalb der MiCA-Aufsicht – bei Nexo mit dem Hintergrund, den ich als Kunde seit 2019 auf der Statusseite beschreibe.
Die Alternativen
- Teilverkauf nach der Haltefrist: Coins, die länger als ein Jahr liegen, sind beim Verkauf steuerfrei. Für kleinere Beträge ist das einfacher und risikoloser als jeder Kredit.
- Wertpapierkredit beim Broker: Wer Krypto-ETPs im Depot hält, kann bei manchen Brokern das Depot beleihen – reguliert, aber mit vergleichbarem Nachschussrisiko.
- Gar nicht: Wer den Kredit braucht, um Kurse auszusitzen, hat zu viel investiert. Positionsgröße ist das Thema, nicht Liquidität – siehe Risikomanagement.
Häufige Fragen
Wie funktioniert ein Krypto-Kredit?
Sie hinterlegen Coins als Sicherheit und erhalten dafür Euro oder Stablecoins – typischerweise 30 bis 70 Prozent des Sicherheitenwerts. Keine Bonitätsprüfung, keine Schufa, Auszahlung in Minuten. Fällt der Kurs der Sicherheit, müssen Sie nachschießen oder der Anbieter verkauft (Liquidation).
Was kostet ein Krypto-Kredit?
Zinsen je nach Anbieter und Beleihungsquote von null bis zweistellig pro Jahr; Nexo wirbt mit „Zero-interest“ für niedrige Beleihungsquoten mit NEXO-Token-Stufe. Die eigentlichen Kosten sind das Liquidationsrisiko und das Anbieterrisiko.
Ist ein Krypto-Kredit in Deutschland legal?
Kredite aufzunehmen ist nicht verboten. Aber: MiCA regelt das Verleihen und Beleihen von Kryptowerten nicht, und der bekannteste Anbieter Nexo steht nicht im ESMA-Register. Sie handeln also außerhalb der europäischen Aufsicht.
Ist ein Krypto-Kredit steuerlich ein Verkauf?
Nein – die Beleihung ist keine Veräußerung, deshalb nutzen Hodler sie, um Liquidität zu bekommen, ohne die Haltefrist zu unterbrechen. Wird die Sicherheit aber liquidiert, ist das ein Verkauf mit steuerlichen Folgen.
Gibt es Alternativen?
Für kleine Beträge: Teilverkauf nach Ablauf der Haltefrist (steuerfrei). Für Depot-Anleger: Wertpapierkredit beim Broker gegen ein diversifiziertes Depot – reguliert, aber mit denselben Nachschussrisiken.
Quellen und Prüfdatum
- Nexo Kreditlinie und Kartenmodi: nexo.com/crypto-card – geprüft 16.09.2026; Registerstatus: Statusseite Nexo
- Bitpanda und Crypto.com: Produktseiten und Gebührendokumente (Prüfung 15.09.2026) enthalten kein Kreditprodukt gegen Krypto für Privatkunden im EWR
- MiCA-Anwendungsbereich (Verleih/Beleihung nicht erfasst): Verordnung (EU) 2023/1114, Erwägungsgrund 94; Haltefrist: § 23 EStG
Hinweis: Diese Seite enthält keine Partnerlinks. Risikohinweis: Kryptowährungen sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich. Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.


