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Aktualisiert: 16. September 2026 5 Min. Lesezeit

Krypto-Lending 2026: Zinsen auf Coins – wie sie entstehen, was MiCA nicht regelt und was ich nach sieben Jahren empfehle

Philipp Zurawski
Philipp ZurawskiGründer & Chefredakteur

Krypto-Investor seit 05. April 2017

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

Das Wichtigste in Kürze · Stand 16.09.2026

  • Lending heißt Verleihen: Der Anbieter reicht Ihre Coins an Kreditnehmer weiter und zahlt Ihnen Zinsen. Sie tragen sein Kreditrisiko – 2022 hat das bei Celsius, BlockFi und Vauld Milliarden gekostet.
  • MiCA regelt Lending nicht. Auch zugelassene Anbieter kennzeichnen ihre Earn-Produkte als unreguliert: Bitpanda (Earn on Stablecoins, bis zu 7 % p.a.) und Crypto.com (Earn) sagen das ausdrücklich.
  • Realistische Zinsen: Bitcoin und Ethereum niedrig einstellig, Stablecoins höher. Alles, was „pro Monat“ mehrere Prozent verspricht, ist Betrug.
  • Meine Einordnung: Wer Erträge auf Coins will, ist mit Staking bei zugelassenen Anbietern transparenter unterwegs. Lending nur mit Beträgen, deren Totalverlust Sie verkraften – ich spreche aus Erfahrung.

Woher die Zinsen kommen

Ein Lending-Anbieter ist eine Art Krypto-Bank ohne Banklizenz. Er nimmt Ihre Coins entgegen und verleiht sie weiter: an Trader, die mit Hebel handeln, an Börsen und Market Maker, die Liquidität brauchen, oder an Kunden, die einen Kredit gegen Krypto-Sicherheiten aufnehmen. Die Differenz zwischen dem Zins, den Kreditnehmer zahlen, und dem, den Sie erhalten, ist der Gewinn des Anbieters. Solange die Kredite besichert sind und der Anbieter sein Risiko im Griff hat, funktioniert das Modell – und genau daran sind 2022 mehrere große Anbieter gescheitert.

Der Unterschied zum Staking ist wesentlich: Staking-Rewards entstehen im Netzwerk und lassen sich nachvollziehen. Lending-Zinsen entstehen im Geschäft des Anbieters, das Sie von außen nicht prüfen können.

2022: Was Celsius, BlockFi und Vauld gelehrt haben

Im Frühjahr 2022 kollabierte der Stablecoin Terra/Luna. Celsius, damals einer der größten Lending-Anbieter mit zweistelligen Milliardenbeträgen an Kundengeldern, hatte diese Gelder in illiquide und riskante Positionen investiert und fror im Juni 2022 alle Auszahlungen ein. Es folgten Voyager, Vauld und im November – nach dem Zusammenbruch von FTX – BlockFi. Kunden wurden zu Insolvenzgläubigern und warteten Jahre auf Teilrückzahlungen. Ich war bei beiden Kunde – Celsius und BlockFi – und habe dort 2022 Geld verloren: Erst die Sperre, dann die Insolvenzanmeldung, dann Jahre Gläubigerverfahren. Die Lehre ist nicht „Lending ist Betrug“, sondern: Der Zins ist der Preis für ein Kreditrisiko, das Sie nicht sehen können.

Was seit MiCA gilt – und was nicht

Die EU-Verordnung MiCA regelt seit 2025 Handel, Verwahrung und Transfer von Kryptowerten. Das Verleihen von Kryptowerten regelt sie nicht – Lending und Earn-Produkte liegen außerhalb der Zulassung, auch bei Anbietern, die für den Handel zugelassen sind. Das erklärt, warum selbst regulierte Anbieter ihre Zinsprodukte mit deutlichen Warnhinweisen versehen:

AnbieterZulassung (Handel/Verwahrung)ZinsproduktWas der Anbieter dazu sagt
BitpandaMiCA: BaFin + FMAEarn on Stablecoins, bis zu 7 % p.a.laut Bitpanda ein unreguliertes Kreditprodukt ohne Einlagenschutz, mit Gegenpartei- und Insolvenzrisiko
Crypto.comMiCA: MFSACrypto Earn (flexibel, 1 oder 3 Monate), Rate je nach Coin und CRO-Lockuplaut Crypto.com nicht unter MiCA reguliert
Nexokeine – MiCA-Antrag läuftEarn auf Coins und Stablecoins, tägliche GutschriftBetrieb über VASP-Registrierungen und Partner; Empfehlung ausgesetzt, bis Nexo im ESMA-Register steht

Anbieter ohne EU-Zulassung, die früher auf dieser Seite standen – Binance Earn, Cake DeFi, Phemex Earn – fehlen bewusst: Seit dem 1. Juli 2026 dürfen sie Kunden im EWR nicht mehr aktiv bedienen. Was das im Einzelfall bedeutet, steht auf den jeweiligen Statusseiten.

Meine Erfahrung: sieben Jahre Nexo

Ich nutze Nexo seit Juli 2019 und habe dort über die Jahre mehrere tausend Euro Zinsen erhalten – täglich gutgeschrieben, Auszahlungen liefen auch 2022 zuverlässig, als andere Anbieter schlossen. Heute liegt dort nur noch ein kleiner Bestand; die physische Nexo-Karte habe ich vor Kurzem bekommen. Trotzdem gilt für diese Seite meine Regel: Empfohlen wird, was im ESMA-Register steht – und Nexo steht dort noch nicht. Den vollständigen Stand mit Antrag, Risiken und meiner persönlichen Abwägung finden Sie auf der Nexo-Statusseite.

Wöchentliche Zinsübersicht von Nexo aus meinem Konto für die Woche 13. bis 19. März 2023, Betrag unkenntlich gemacht
Wochenzinsen aus meinem Nexo-Konto, März 2023. Erträge wie diese sind die Vergütung für ein Kreditrisiko – das sollte man beim Blick auf die Zahl nie vergessen.

Wenn Sie Lending nutzen: sieben Regeln

  1. Nur Beträge, deren Totalverlust Sie verkraften. Kein Notgroschen, keine Altersvorsorge.
  2. Flexibel vor fest: Feste Laufzeiten bringen etwas mehr Zins und nehmen Ihnen die Möglichkeit, im Ernstfall abzuziehen.
  3. Zinsen in Coins, die Sie ohnehin halten wollen. Ein Anbieter-Token als Zinswährung erhöht die Rate – und Ihr Risiko.
  4. Misstrauen bei Raten über dem Markt: Wenn ein Anbieter deutlich mehr zahlt als alle anderen, trägt er ein Risiko, das Sie nicht sehen.
  5. Regelmäßig abziehen: Erträge auszahlen und Bestände auf eine eigene Wallet übertragen, statt sie jahrelang liegen zu lassen.
  6. Steuern einplanen: Lending-Zinsen sind bei Zufluss steuerpflichtig (sonstige Einkünfte, Freigrenze 256 €); Historie exportieren. Details unter Krypto-Steuern.
  7. Alternative prüfen: Für Proof-of-Stake-Coins ist Staking beim zugelassenen Anbieter die transparentere Ertragsquelle.

Häufige Fragen

Was ist Krypto-Lending?

Sie verleihen Ihre Coins an eine Plattform, die sie an Kreditnehmer weiterreicht – meist an Trader, die Sicherheiten hinterlegen – und erhalten dafür Zinsen. Anders als beim Staking entstehen die Erträge nicht im Netzwerk, sondern aus dem Kreditgeschäft des Anbieters.

Wie hoch sind die Zinsen beim Krypto-Lending?

Für Bitcoin und Ethereum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, für Stablecoins höher – Bitpanda nennt für Earn on Stablecoins bis zu 7 % p.a. Wer Ihnen mehrere Prozent pro Monat verspricht, betreibt in aller Regel Betrug. Handels- und Auszahlungsgebühren: Bitpanda-Gebühren.

Ist Krypto-Lending durch MiCA reguliert?

Nein. Das Verleihen von Kryptowerten fällt nicht unter die MiCA-Verordnung. Auch zugelassene Anbieter weisen darauf hin, dass ihre Earn-Produkte unregulierte Kreditprodukte ohne Einlagensicherung sind.

Was ist der Unterschied zwischen Lending und Staking?

Beim Staking sichern Ihre Coins ein Proof-of-Stake-Netzwerk und die Rewards kommen vom Protokoll; beim Lending verleiht der Anbieter Ihre Coins und Sie tragen sein Kreditrisiko. Staking bei zugelassenen Anbietern ist in der Regel die transparentere Variante.

Was ist 2022 mit Celsius und BlockFi passiert?

Beide Anbieter hatten Kundengelder riskant angelegt und wurden nach dem Terra-Luna-Kollaps zahlungsunfähig; Celsius fror Auszahlungen im Juni 2022 ein, BlockFi meldete im November 2022 Insolvenz an. Kunden warteten Jahre auf Teilrückzahlungen. Das ist das Risiko, für das Lending-Zinsen bezahlen.

Quellen und Prüfdatum

  • Bitpanda Earn on Stablecoins (bis zu 7 % p.a., unreguliertes Kreditprodukt ohne Einlagenschutz): Erfahrungsbericht Bitpanda (Prüfung 15.09.2026, bitpanda.com)
  • Crypto.com Earn (Laufzeiten, CRO-Lockup, nicht unter MiCA reguliert): Erfahrungsbericht Crypto.com (Prüfung 15.09.2026, crypto.com/eea)
  • Nexo (kein Registereintrag, Antrag laut Nexo in fortgeschrittenem Stadium): Statusseite Nexo (Prüfung 16.09.2026)
  • Anwendungsbereich MiCA (Verleih von Kryptowerten nicht erfasst): Verordnung (EU) 2023/1114, Erwägungsgrund 94
  • Insolvenzen Celsius (Juli 2022), Voyager (Juli 2022), BlockFi (November 2022): allgemein dokumentierte Gerichtsverfahren in den USA
  • Eigene Nutzung: Nexo seit Juli 2019; Verluste 2022 bei Celsius und BlockFi.

Werbehinweis: Die verlinkten Erfahrungsberichte zu Bitpanda und Crypto.com enthalten gekennzeichnete Affiliate-Links; zu Nexo führen keine Partnerlinks. Kryptowährungen sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich. Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Dieselben Regeln gelten für Staking: Staking und Steuern.

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